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„Eichenprozessionspinner: Schnelles Handeln gefragt – hier besteht Gefahr!“

 

       

      

 

 

Jetzt beginnt die Zeit der Eichenprozessionsspinnerraupen – besser prophylaktisch behandeln, das erspart schmerzhafte Symptome

Bevor die die Insekten ihre Nester bilden, kriechen die Raupen über die Äste und Blätter. In einem solch fortgeschrittenen Stadium ist die Bekämpfung deutlich aufwendiger, da die Tiere von Hand entfernt werden müssen. Doch warum wird überhaupt dieser Aufwand betrieben? Im Laufe der Entwicklung zu einem unscheinbaren grauen Falter wird aus den Larven des Eichenprozessionsspinners eine Raupe, die Brennhaare ausbildet. Und diese können dem Menschen gefährlich werden, Juckreiz verursachen und Allergien bis hin zu mitunter lebensgefährlichen Asthmaanfällen auslösen. Mit dem Besprühen der Bäume soll das verhindert werden

Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter. Er bevorzugt warm-trockenes Klima und breitet sich aufgrund der Klimaveränderungen immer stärker in Deutschland aus. Die Brennhaare der Raupen sind für Mensch und Tier gefährlich und lösen allergische Reaktionen aus.

 

Biologie

Der unscheinbare Falter ist 25 bis 32 Millimeter groß, nachtaktiv und schwärmt in den Monaten Juli und August, teils bis in den September. Die Weibchen legen ihren Eivorrat - bis zu 200 Stück - innerhalb weniger Tage an ein- bis dreijährigen Zweigen, gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich. Die Jungraupe überwintert im Ei und kann tiefe Wintertemperaturen bis  -29 Grad Celsius überstehen.

Bereits im Herbst entwickeln sich die kleinen Eiräupchen und schlüpfen dann im April bis Anfang Mai. Sie schließen sich kurz nach dem Schlüpfen zu den typischen „Prozessionen“ zusammen, von denen sie auch ihren deutschen Namen bekommen haben. Abends wandern sie so gemeinsam zum Fressen in die Baumkrone. Mit bis zu 30 Tieren nebeneinander können sie 10 Meter lange Prozessionen bilden.

Die Entwicklung der Raupen umfasst sechs Stadien. Sie sind von Anfang an stark behaart. Ab dem 3. Larvenstadium entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein und sind dann für Mensch und Tier sehr gefährlich. Am Ende des sechsten Larvenstadiums erreichen die Raupen eine Körperlänge von bis zu vier Zentimeter.
Temperaturabhängig verpuppen sich die Altraupen Mitte bis Ende Juni. Dazu spinnen sie sich in ockerfarbene Kokons und bilden ein sehr großes Gespinstnest. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die Falter.

 

Verbreitung

Als Insekt des Offenlandes kommt er vor allem in warm-trockenen Regionen vor und bevorzugte Einzelbäume, Bestandsränder und lichte Eichenwälder. In Trockenjahren kann es zu Massenvermehrungen kommen und dann befällt er auch jüngere Bäume und große geschlossene Waldgebiete. 
In Deutschland sind in Folge der Massenvermehrungen mittlerweile alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) kommt an allen Eichenarten vor, neben der Stiel- und Traubeneiche  auch an der amerikanischen Roteiche.



Aktuelle Situation

2020
Sie sind auch im Winter eine Gefahr. Die übriggebliebenen Raupenhaare verbreiten sich mit dem Wind. Für 2020 ist mit einer noch größeren Verbreitung des Eichenprozessionsspinners zu rechnen. Der milde Winter kommt dem Schädling entgegen.

2019 gibt es größere Populationen des EPS als im Vorjahr. Besonders starke Populationen gibt es, wenn die Frühjahrsmonate mild sind und im Spätsommer mit Falterflug und Eiablage trockenes Wetter mit wenig Wind herrscht. Das war 2018 der Fall. Auch im Frühjahr 2019 waren die Bedingungen gut: Für die Raupen kam die Wärme zum richtigen Zeitpunkt.

 

Schadwirkung

Zunächst ist der Eichenprozessionsspinner ein Forstschädling, darüber hinaus aber auch ein gefährlicher Gesundheitsschädling. Bei massivem Auftreten des Eichenprozessionsspinners können selbst alte Eichen komplett kahl gefressen werden. Befallen werden in Deutschland Stieleiche (Quercus robur), Traubeneiche (Quercus petraea) und Amerikanische Roteiche (Quercus lobata). Außerdem können Hainbuchen befallen werden. Andere Laubbäume werden dagegen normalerweise nicht geschädigt. Eine wesentlich größere Bedeutung kommt dem Eichenprozessionsspinner als Gesundheitsschädling zu. Schuld daran sind die Brennhaare der Raupen, die sich ab dem dritten Larvalstadium bilden und das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Die Brennhaare sind 150 bis 250 µm lang und 5 bis 10 µm dick. Sie können mit dem Wind über weite Strecken verdriftet werden und brechen bei der geringsten Berührung entzwei. Aus dem innenliegenden Hohlraum werden dann verschiedene Proteine freigesetzt, unter anderem auch Thaumetopoein, ein Histamin-freisetzendes Toxin. Der Kontakt mit den Brennhaaren kann für Menschen und Haustiere schlimme Folgen haben. Besonders häufig ist die sog. Raupendermatitis, die sich durch folgende Symptome bemerkbar macht:

  • Lokale Hautausschläge mit Hautrötung
  • Leichte Schwellungen der Haut
  • Extrem starker Juckreiz und Brennen
  • Quaddelbildung am ganzen Körper

Werden die Brennhaare eingeatmet kann dies zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut führen. Später können Bronchitis, schmerzhafter Husten und Asthma auftreten. Begleitende Symptome nach einem Kontakt mit den Brennhaaren sind Schwindelgefühl, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung. In seltenen Einzelfällen, in denen eine Allergie besteht, kann es auch zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Besonders problematisch ist, dass die Brennhaare die beschriebenen Symptome mitunter noch nach Jahren auslösen können. Eine große Gefahr geht daher auch von bereits älteren Gespinstnestern aus.

 

Gefahr für den Menschen

Für den Menschen gefährlich sind die Haare ab dem 3. Larvenstadiums des Eichenprozessionsspinners, also im Mai und Juni.  Die 0,2 Millimeter langen Brennhaare brechen leicht ab, sind mit Widerhaken versehen und enthalten das Eiweiß „Thaumetopoein“. Mit jedem Entwicklungsstadium steigt die Gesundheitsgefährdung. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare. Die (fast unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest.

Eine Gefährdung besteht besonders beim direkten Kontakt mit den Raupen, die während der Fraßzeit der Raupen am größten ist. Eine ganzjährige Gefahrenquelle sind die Häutungsnester und die am Baum oder am Boden verbleibenden Verpuppungsgespinste. Die Brennhaare bleiben an Kleidung und Schuhen haften, die bei Berührung immer neue toxische Redaktionen auslösen. Das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Sogar Brennholz aus diesen Gebieten stellt einen Risikofaktor dar. Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können daher während des gesamten Jahres entstehen.

Die eindringenden Brennhaare reizen die Oberhaut und die Schleimhäute und können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen. Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika.

Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf!
Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.

 

Besonders gefährdete Personen sind:

  • Waldarbeiter
  • Arbeitskräfte von Gartenbaubetrieben und Straßenmeistereien
  • Spaziergänger und Freizeitsportler, die am Waldrand oder in Parks unterwegs sind
  • Besucher von Parks oder Freizeitanlagen
  • Spielende Kinder in Waldnähe
  • Anwohner von betroffenen Waldgebieten
  • Gartenbesitzer, in deren Gärten Alteichen stehen

Um nicht mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Kontakt zu kommen, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:

  • Befallene Eichen sollten gemieden werden
  • Raupen und Gespinste dürfen auf keinen Fall berührt werden
  • An Orten, an denen der Eichenprozessionsspinner vorkommt, sollte man sich nicht auf den Boden legen oder setzen
  • In Risikogebieten sollte man besonders exponierte und empfindliche Körperpartien wie Nacken, Hals oder Unterarme durch Kleidung schützen
  • Falls man mit den Brennhaaren der Raupen in Kontakt gekommen ist, sollte man die Kleidung wechseln und duschen
  • Kontaminierte Kleidung sollte man bei 60°C waschen um das in den Brennhaaren enthaltene Thaumetopoein zu zerstören
  • Direkte Bekämpfungsmaßnahmen oder das Entfernen der Raupengespinste sollte man Fachleuten überlassen

Eichenprozessionsspinner sind auch für Haustiere gefährlich.

Zwar schützt das Fell gut vor den Haaren, aber Schnauze und Schleimhäute sind gefährdet. Vor allem Hunde sind durch ihr Herumschnüffeln in Gefahr. Das Gift der Raupe kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Zunge und Lefzen können stark anschwellen und es kann zu Atemproblemen kommen. Zur ersten Hilfe sollte man die betroffenen Stellen mit klarem Wasser abspülen, kühlen und im Zweifel den Tierarzt aufsuchen.

Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, sollte sie sie umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt oder im Wald den Forstämtern melden.

 

Bekämpfung:

Wichtig ist, dass die Blätter im Kronenbereich vollständig mit dem eingesetzten Präparaten benetzt werden. Bekämpfungsmaßnahmen sollten möglichst durchgeführt werden, bevor die Raupen des Eichenprozessionsspinners das dritte Larvalstadium erreichen (also bis spätestens Mitte Mai). Nur dann ist sichergestellt, dass sie noch keine Brennhaare ausgebildet haben.

Die meisten Präparate funktionieren als Fraßgift - es muss also von den Raupen des Eichenprozessionsspinners zusammen mit der Nahrung aufgenommen werden um seine Wirkung entfalten zu können. Die Endotoxine zerstören die Darmwand der Larven und bewirken so einen schnellen Fraß Stopp. Die derartig geschädigten Raupen sterben innerhalb weniger Tage.

Die aus gesundheitlicher Sicht besonders gefährlichen Gespinstnester der Raupen müssen mechanisch beseitigt werden. Nicht bewährt hat es sich, die Gespinstnester abzuflammen oder mit Hilfe eines kräftigen Wasserstrahls zu entfernen. Hierbei können die gefährlichen Brennhaare aufgewirbelt werden oder die betroffenen Bäume in Flammen aufgehen. Wesentlich besser ist es dagegen die Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners mit Hilfe von speziellen Industriestaubsaugern von den Bäumen zu entfernen. Die Raupenhaare werden bei diesem Verfahren vollständig abgesaugt und ausgefiltert. Anschließend müssen sie in der Müllverbrennungsanlage entsorgt werden. Bein einzelnen, gut erreichbaren Gespinstnestern hat es sich ebenfalls bewährt die Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners mit einem Bindemittel einzusprühen, danach von Hand einzusammeln und in einem geschlossenen Plastiksack in einer Müllverbrennungsanlage zu entsorgen. Alle diese Arbeiten sollten nur von Fachleuten in vollständig geschlossenen Schutzanzügen und mit Atemschutz durchgeführt werden.

 

Quellen:

https://www.sdw.de/waldwissen/verhalten-im-wald/eichenprozessionsspinner/index.html

https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/schmetterlinge/eichenprozessionsspinner-thaumetopoea-processionea/eichenprozessionsspinner-thaumetopoea-processionea/

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.eichenprozessionsspinner-auf-den-fildern-kampf-gegen-die-giftraupen.5fdbc824-b166-4d95-aba5-a51948b0f94f.html

Bildnachweis:

 

  1. c) Walter Grönhoff Schädlingsbekämpfung GmbH

 

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